Montag, 7. November 2011

Eine wahre Geschichte aus uralten Zeiten...


…Oder die Schüssel zum meinem Glück!
Ihr lest schon richtig „die Schüssel“!

Die Schüssel von der ich hier schreibe hat eine besondere Geschichte, wie so einige andere Gegenstände in unserem Haushalt die ich hege und pflege.

Sie ist weit über 100 Jahre und hat schon so manchen Salat, Kartoffeln, Nudeln, Äpfel, Zwetschgen und Birnen in ihrem Bauch getragen.

Als meine Mami noch klein war (heute ist sie 73 Jahre alt) wurden in ihr die leckersten Hefeklöße serviert und sie hat einen weiten Weg hinter sich. Sie kommt aus Ungarn, der Heimat der Familie meiner Mutter.

Unsere Vorfahren wanderten im 18. Jahrhundert aus dem Schwäbischen nach Südungarn aus, ließen sich dort nieder und lebten bis zum Ende des 2. Weltkrieges dort.

Ein klitzekleines Dorf, am Ende der Welt, namens Szentkatalin (Sankt Katalin) ist der Geburtsort meiner Mami, dort lebte sie auf einem großen Hof mit Mutter, Großmutter, Großvater und ihrer Schwester (meiner Godi)! Ihr Vater (mein Opa) ist Jahre vorher im Krieg an der Front irgendwo am Don gefallen.

Der Name der Familie(n) war Schmelzel bzw. Riszt – typisch deutsch (auch wenn sich die Schreibweise im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte etwas verändert hat)! Aber gerade dieser Name war der Grund warum die Familie im August 1947 nach Deutschland ausgewiesen bzw. zwangsumgesiedelt wurde. Alle deutschen Familien des Dorfes wurden aufgelistet und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion zum Verlassen Ihrer Heimat gezwungen. Sie durften das aus ihren Häusern mitnehmen was sie innerhalb einer Stunde zusammensuchen konnten, und dazu gehörte unteranderem diese Schüssel (etwas Geschirr), noch ein paar Fotos, Kleidung für die Kinder (meine Mama war 10 Jahre alt), etwas Wäsche, Papiere und das was sie am Leib trugen war alles was sie aus ihr Heimat mitnehmen konnten.

Mit Güterzügen (Viehwagen) kamen sie von Hetvehely in den südlichen Teil der Sowjetzone Deutschlands. Viele leben noch heute in Pirna und Sebnitz, wie meine anyu (Mama).
Könnt ihr euch vorstellen warum mir gerade diese Schüssel so viel bedeutet und warum sie MEIN GLÜCK ist? Sie hat Geschichte und zwar nicht nur irgendeine sondern sie ein Teil meiner Geschichte und ist auch ein Stück aus meiner Heimat – warum auch meiner Heimat dazu vielleicht ein andermal mehr – wenn ihr mögt!

Und jetzt möchte ich sie euch mal zeigen – nichts spektakuläres, nicht pompös – ganz schlicht und doch soooo wunderschön!






So und dazu gehört natürlich noch etwas mehr! Von meiner Großmutter und Urgroßmutter selbst gewebtes Leinen, 3 Gabeln, 2 Löffel, 2 Messer, noch eine kleinere Schwesternschüssel mit Rosenmotiv und 4 Suppenteller. Alles älter als 100 Jahre. Das Geschirr ist von Zsolnay aus Pécs (Fünfkirchen). Und oben auf dem Foto seht ihr einen Teil der Familie die von und mit diesem Geschirr gelebt hat... und die Kleine ganz verstrubbelte in der Mitte, dass ist meine Mami!

So ihr Lieben für heute genug, ich hoffe euch gefällt mein heutiger Post und meine Familien-Geschichte hat euch nicht gelangweilt!
Ich werde sie euch weiter erzählen...unter dem Label "Geschichten die das Leben schreibt" also schaut ab und an vorbei!

Euch nen schönen Abend

Eure Anke

Kommentare:

  1. Liebe Anke,

    eine wunderschöne Schüssel mit einer langen Geschichte!!! So ein kostbares Stück hat bestimmt nicht jeder. Ich kann gut verstehen, dass sie für dich etwas ganz besonderes ist.
    Ich bin schon gespannt auf neue Geschichten.

    ♥liche Grüße
    Irmgard
    PS: wir jammern ja gerne schon mal, aber uns geht es doch wirklich gut, wenn man bedenkt, was unsere Eltern und Großeltern alles erlebt haben.

    AntwortenLöschen
  2. hallo heike,
    ich kann mich heike nur anschließen. die schüssel sieht echt toll aus - pass gut auf sie auf!
    liebe grüße
    alexandra

    AntwortenLöschen
  3. ...Alex du bist echt süß... ich lach mich echt schlapp...zu wenig Kaffee heute morgen?
    Sei gedrückt
    Anke

    AntwortenLöschen
  4. Eine lange Geschichte hat diese Schüssel und ich kann Dich gut verstehen! Ich hoffe sehr, dass sie noch lange lange Jahre unversehrt in Eurem Familienbesitz ist!
    Lieben Gruß
    Sandra

    AntwortenLöschen
  5. Eine schöne Geschichte und eine wunderschöne Schüssel!
    Liebe Grüße,
    Markus

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Anke,
    jetzt kommen mir die Tränen... Ein Teil meiner Familie wurde so, wie Deine nach Deutschland transportiert, sie leben jetzt in der Nähe von Wiesbaden. Meine allerliebste Oma wurde auch auf dieser Weise aus der ehem. Tschechoslowakei nach Ungarn ausgesiedelt. Und ich habe auch meine Schüsseln. Die weisse benutzen wir fast jeden Tag, die bedeutet mir meine Kindheit, die Vergangenheit meiner Familie. Die rosigen nehme ich nur selten, wie es meine Großmutter auch gemacht hat.
    Es gibt keine Zufälle...
    Betti

    AntwortenLöschen